Zufall oder Vorsehung – Begegnung auf der Straße

Letzte Woche hatte ich einen Termin in der Stadt. Auf dem Nachhauseweg begeneten mir auf der anderen Straßenseite ein paar offenen jungen Augen. Nachdem sich unsere Blicke getroffen hatte, wechselte das junge Mädchen die Straßenseite und kam auf mich zu. Sie sprach mich in einer Sprache an, die ich bis dahin noch nie gehört hatte und auch nicht zuordnen konnte. Von ihrer Gestik her, musste es eine Frage an mich sein.

Ich antwortete ihr, dass es mir sehr leid tun würde, ich aber keine Ahnung davon hätte, worum sie mich fragen würde. Sie ließ mich ganz schön zappeln in meiner Not, ihr doch helfen zu wollen.

Nach einer Weile sagte sie: “Ich habe dich gefragt, ob du mich verstehen kannst!” Jetzt war ich völlig verdutzt! Sie weiter: “Ich finde Irland so schön und ich möchte gerne diese Sprache für mich noch besser lernen und in mich aufnehmen! Und deshalb habe ich dich gefragt, ob du mich verstehen kannst.”

Ich erzählte ihr, dass ich eine irische Freundin hätte und sie könnte sie doch einmal kontaktieren. Nein, das wollte sie nicht – wildfremde Personen kontaktieren, so etwas würde sie nicht machen. Ich fragte sie, wo denn der Unterschied liegen würde, mich hätte sie doch auch einfach so angesprochen. Sie entgegnete, dies wäre etwas völlig anderes. Mich hätte sie ja schließlich gesehen. Mit diesen Worten wollte sie von dannen ziehen. Aber so leicht kommt man an einer “Erfolgsteamleiterin” eben nicht vorbei, die weiß, dass Widerstand aufkommen kann .

Ich bat das junge Mädchen um ihre E-Mail-Adresse und erklärte ihr, dass ich meiner Freundin diese Adresse zukommen lassen würde. Meine Freundin würde sich dann mit ihr in Verbindung setzten. Ich konnte mir darin sehr sicher sein, denn ich weiß wie sehr meine Freundin ihre Muttersprache vermisst.

Ich bekam sogar eine Visitenkarte des jungen Mädchens und als ich sie umdrehte, erblickte ich liebevoll handschriftlich verfasste irische Worte darauf. Da lag ganz viel Herzens- und Seelensehnen darin.

Wir verabschiedeten uns und sie, obwohl sie noch so jung an Jahren war, sprach von einer glücklichen Fügung. Besser kann man diese Begegnung wohl auch nicht ausdrücken.

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