Ein Lied für eine ganz besondere Seele

In den letzten beiden Einträgen habe ich von Begebenheiten berichtet, die sich schön gefügt hatten. Es gibt auch Anderes, nämlich dann, wenn man aus irgendeinem Grund nicht auf die innere Stimme hört!

Es gibt Situationen in unserem Leben, die man nicht so schnell vergisst. Und zu solchen gehört sicherlich die Begegnung mit dem Sterben eines Menschen. In meinem Fall mit einer Frau, die an Krebs erkrankt war und sich aus eigenem Entschluss für ihre letzte Zeit in ein Hospiz begeben hatte. Ich kannte sie von Kindheit an, aber je erwachsener man wird und selbst Familie hat, desto mehr treten manche Verbindungen in den Hintergrund. So war es leider auch mit ihr. Als fest stand, welchen Weg sie nehmen würde, sagte meine Mutter zu mir, sie würde sich bestimmt sehr freuen, wenn ich sie noch einmal besuchen würde.

Und genau so war es. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich in letzter Zeit jemand vor Freude so überschlagen hat, mich zu sehen. Und obwohl sie bestimmt sehr große Schmerzen hatte, ließ sie es sich nicht anmerken. Mein erster Besuch war sehr kurz, da sie durch die Medikamente und physikalischen Therapien schon sehr müde geworden war. Bevor ich ging, sagte sie zu mir: „Du Manuela, ich möchte noch eine Frauensache mit dir besprechen!“ Oh weh, eine Frauensache, mir gingen alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Und was dann kam, war ganz typisch für sie! Sie, die sich ihr Leben lang um andere gesorgt hatte sagte: „Du nähst doch auch, du hast doch ganz bestimmt Verständnis für mein Anliegen. Ich brauche ein weißes Garn, ein Nähnadelbriefchen, eine Sicherheitsnadel, eine kleine Schere und natürlich den richtigen Gummi – in der richtigen Stärke und von der guten Marke!“ Ich versprach ihr, dieses zu besorgen und es ihr am nächsten Tag vorbei zu bringen. Als ich mich verabschiedete, zwinkerte sie mir noch zu und sagte: „Mal schauen ob ich morgen noch da sein werde!“ Es war mir etwas mulmig zu Mute, als ich ihr die Dinge besorgte. Sollte sie morgen schon wirklich nicht mehr da sein?

Am nächsten Morgen erkannte ich sie kaum wieder, frisch ausgeruht und sich natürlich sehr an meinem Mitbringsel erfreuend. Ich besuchte sie noch so oft ich konnte und wir beiden haben diese Zeit sehr genossen. Ich las ihr Geschichten vor und während sie mir still mit geschlossenen Augen zuhörte, weinte ich – ebenfalls still – vor mich hin. Am Mittwoch vor Muttertag besuchte ich sie auch. Fast ihre ganze Familie hatte sie im Laufe dieses Tages besucht. Wir kamen auf alles Mögliche zu sprechen. Eine ihrer Töchter wollte sie noch am Sonntag zu einem Muttertags-Konzert mitnehmen. Aber sie erwiderte ruhig: „Ich glaube nicht, dass ich noch die Kraft dazu haben werde!“ Ich sagte: „Oh, wenn du gerne Gesang hörst, dann kann ich auch vorbei kommen und dir etwas singen!“ Die ganze Gesellschaft bat mich doch jetzt etwas zu singen, aber dafür fühlte ich mich nicht vorbereitet genug. Ich versprach, in den nächsten Tagen nochmals extra vorbei zu kommen, um nur für sie zu singen. Freitag hatte ich den Impuls, kurz bei ihr vorbei zu fahren – aber ich tat es nicht!!!

Samstag packte ich all meine Noten zusammen, worüber ich dachte über diese Lieder würde sie sich bestimmt freuen. Sie fühlte sich Mutter Maria sehr hingezogen und hierfür hatte ich genau das richtige Lied, was ich auch sehr gerne sang.

Ja, ich sang dieses Lied noch für sie, ich hatte es ihr ja versprochen. Allerdings unter anderen Umständen als ich es mir gewünscht hätte. Als ich am Samstag vor ihrem Zimmer stand, hing ein Engel an ihrer Türe. Sie war 2 Stunden zuvor verstorben. So sang ich es für ihre Seele, die in diesem Augenblick noch ganz präsent zu sein schien.

Warum veröffentliche ich diese Geschichte hier unter dem Erfolgsteam-Blog? Es gibt einen guten Grund dafür!

In einem Erfolgsteam wird ein sicherer Raum zur Verfügung gestellt, um das ausdrücken zu können, was einem wirklich am Herzen liegt. Es geht darum seine Träume und Wünsche wertschätzend anzuschauen und sie dann mit Leben zu füllen. Das Team erlebt, warum es gerade diese bestimmten Herzenswünsche sind. Und genau aus diesem eigenen Erleben und Spüren heraus, werden sie zu besten Unterstützern.

Wieder zurück zu ihr:

Ich besuchte sie zu einem vereinbarten Termin. Sie freute sich schon und fragte: “Liest du mir bitte wieder etwas vor? Ich will es mir im Bett nur noch einmal so richtig gemütlich und warm machen, bevor du mit Lesen anfängst!“ Es dauerte eine Weile, bis wir alle Decken für sie so gerichtet hatten, bis es ganz angenehm für sie war. Ich hatte gerade die erste Seite gelesen, da klopfte es an der Türe. Ein junger Mann trat ins Zimmer und fragte an, ob er sie jetzt besuchen könne. Sie entgegnete: „Ja gerne, ich möchte nur zuerst aufstehen, damit wir uns an den Tisch setzen können!“ Sie schälte sich quälend aus dem Bett. Ich schaute mir das eine kurze Weile an und fragte sie: „Was möchtest du denn wirklich? Ich hatte gerade den Eindruck, dass du dich richtig aufs Ausruhen und die neue Geschichte gefreut hast!“ Sie schaute mich hilflos an und entgegnete mir: „Oh ja, Vorgelesen zu bekommen, dass wäre schön! Aber der junge Mann!!!“ Ich besprach mit ihr, dass der angehende Priester heute einmal zu jemand anderen gehen könnte, der keinen Besuch haben würde. Dankbar legte sie sich ins Bett zurück und wir machten es wieder so gemütlich wie es vorher war. Sie lauschte den Geschichten, die ich ihr las und wurde dabei immer müder. Gegen Mittag kam die Ordensschwester ins Zimmer. Ihr erklärte sie bestimmt: „Ich mache jetzt genau das, was Manuela sagt!“ Und zu mir gewandt fragte sie hoffend: „Du bist doch noch da, wenn ich heute Nachmittag wieder aufwache, oder?“ Mir wurde es schwer ums Herz. Nein, ich würde nicht dableiben können! Nein, ich würde sie nicht weiter unterstützen können, ihre Bedürfnisse zu wahren.

Ich hatte zu Anfang meiner Erzählung berichtet, dass sie jemand war, die sich immer um das Wohl der anderen gesorgt hatte. Ihre eigenen Träume, Wünsche und Bedürfnisse hatte sie stets hinten angestellt. Und dieses ’Sich nicht wichtig genug zu nehmen’, hat sie selbst in Anbetracht ihres nahenden Todes nicht mehr abstreifen können. Ich wünschte, sie hätte früher jemand an ihre Seite gestellt bekommen, der ihr das Gefühl gegeben hätte, dass ihre Träume, Wünsche und Bedürfnisse es wert sind, wichtig genommen zu werden.

Und genau das wünsche ich jedem von Herzen, der diese Zeilen gelesen hat. Sprechen Sie über Ihre Träume und Sehnsüchte. Finden Sie Menschen, die Sie verstehen und Ihnen gerne unterstützend zur Seite stehen.

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