Begegnung mit Zimmerleuten auf der Walz

Anfang Oktober war ich unterwegs nach Köln zu dem Wochenend-Seminar von Barbara Sher „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste was ich will“. Es war ein sehr ungemütlicher Tag, es war kalt und es begann bereits zu regnen. Als ich die Bundesstraße verließ und auf die Autobahn einbog, sah ich auf der gegenüberliegenden Abfahrt 3 Zimmermänner auf der Wanderschaft stehen. Sie wollten zwar in die gleiche Richtung wie ich, standen aber so ungünstig, dass ich sie nicht aufsammeln konnte. Die drei taten mir leid und ich versuchte eine Möglichkeit zum Halten zu finden, dies ergab sich aber leider nicht. Aus der Ferne erkannte ich dann, dass sie auch eine junge Frau dabei haben mussten. Bis zur nächste Ausfahrt hatte ich nur eine kurze Zeitspanne, um zu Überdenken, wie ich weiter handeln wollte

Ich kam zu dem Entschluss, dass ein kleiner Schlenker zeitlich noch passen könnte. Also fuhr ich die nächste Abfahrt wieder ab. Mein Navi teilte mir mit, „Dreh um du bist falsch unterwegs!“ Manchmal muss man Navis (oder anderes im Leben) auch einmal links liegen lassen, um dahin zu kommen wo man wirklich hin möchte.

Als ich mich der Stelle näherte wo die Drei vorher standen, sah ich sie nicht mehr. Ich dachte, okay ein Versuch ist es wert gewesen, da hat sich schon jemand erbarmt und sie mitgenommen. Ich lag nicht richtig mit meiner Annahme. Sie hatten sich nur näher aneinander gestellt, da es offensichtlich auch nicht half, ihr Zimmermanns-Mädel als Lockvogel an die Front zu stellen.

Wie leicht es doch ist, anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Als ich vor ihnen anhielt und die Türe öffnete, entgegnete mir ein dankbarer junger Geselle: „Oh Mann, Gott sei Dank! Wir dachten schon, wir würden heute gar nicht mehr von hier wegkommen!“ Die Drei wollten die A7 weiter Richtung Norden hoch. Meine Route ließ mich aber nur sehr kurz auf der A7 fahren. Wir verständigten uns, dass ich sie wenigstens bis zum nächsten Rastplatz mitnehmen könnte. Dort hätten sie wesentlich mehr Chancen, von einem geeigneten Menschen mitgenommen zu werden. Ihre Sachen waren wirklich sehr schnell eingeladen. Jeder von ihnen führte tatsächlich nur einen handgeschnitzten Wanderstab und ein kleines Bündel Wäsche mit sich.

Wir kamen schnell ins Gespräch und mein Beifahrer fragte mich, was ich denn in Köln wollte und was ich denn überhaupt so machen würde. Meine Antwort: „Ich mache genau das, warum ihr hier bei mir im Auto sitzt!“ Über meine kurze Antwort, war er wirklich sehr verwirrt. Ich erzählte ihm, dass ich Erfolgsteamleiterin wäre und anderen Menschen dabei helfen würde, dass sie ihre Träume und Wünsche mit Leben erfüllen könnten. Und dass die Idee eines Erfolgsteams die wäre, mehrere Personen so durch einen Prozess zu führen, dass sie nach Ende des Workshops eine gewachsene Gemeinschaft bildeten. Eine Gruppe die sich ohne mein weiteres Zutun gegenseitig über ein ganzes Stück ihres Lebens begleiten und unterstützen könnten. Er stellte fest: „Also hilfst du somit bei der Hilfe zur Selbsthilfe!“ Ich: „Ja genau, darum geht es!“

Die jungen Zimmerleute fanden das Thema sehr spannend. Sie wollten wissen, welche Wünsche es denn wären, die die Kursteilnehmer so hätten. So ganz genau konnten sie es sich aber immer noch nicht vorstellen, warum jemand sich eine solche Gemeinschaft überhaupt sucht. Ich fragte sie: „Ihr seid doch auch auf Hilfe und das Wohlwollen von anderen Menschen angewiesen, oder?“ Die junge Frau antwortete: „Ja! Ohne Hilfe könnten wir das was wir tun, gar nicht machen!“ Ich erklärte ihnen, dass es zwischen Menschen wie ihnen “ Zimmermänner auf der Walz “ und uns anderen Menschen einen großen Unterschied gibt. Einen Zimmermann erkennt man schon von weitem an seiner Zunftskleidung. Und jeder der ihnen begegnet weiß, dass man ihm so gut es geht unterstützen sollte. Es ist praktisch ein ungeschriebenes Gesetz. Einer ganz normal gekleideten Person, sieht man nicht an, ob sie vielleicht auch Unterstützung bei irgendeinem Traum oder Wunsch braucht, der sehr wichtig für ihr Leben sein könnte.

Jetzt verstanden sie, um was es wirklich ging und wollten unbedingt noch hören um welche Träume es denn so ganz konkret ginge. Wie gerne hätte ich ihnen alle Träume erzählt, die mir im Laufe der Zeit begegnet sind. Leider reichte unsere gemeinsame Fahrzeit dafür nicht aus. Eine Geschichte konnte ich ihnen dennoch mit auf den Weg geben. Es war der Wunsch einer bereits wundervoll talentierten Sängerin, andere Menschen mit ihrem Gesang noch intensiver im Herzen berühren zu können. Ihr Problem; ihre wahre Sing und Strahlkraft nimmt für sie gefühlt immer mehr ab, da sie sich täglich in einer Sprache verständigen muss, die nicht ihre Muttersprache ist. Speziell ausgebildete Stimmtrainer wissen von der Problematik, wie sehr es die Stimme incl. Stimmbänder belastet, nicht in der Muttersprache sprechen und noch problematischer nicht singen zu können.

Ihre weiteren Hindernisse: Ihr fehlt die Zeit, das Geld und auch der geeignete Trainer um ihre Stimme wieder in ihre volle Ausdruckskraft zu bringen. Den Dreien schilderte ich natürlich die persönlichen Hinderungsgründe der Workshop Teilnehmerin in voller Ausführlichkeit. Mit der Unterstützung ihrer Teamkolleginnen, hat diese begnadete Sängerin einen Weg gefunden, bei dem Stimmtrainer Ihrer Wahl Unterricht nehmen zu können und ist sehr glücklich damit.

Mittlerweile waren wir auf dem Rastplatz angekommen. Meine Mitfahrer waren sehr berührt von dieser wahren Geschichte, die ihnen nahe ging. Sie bedankten sich bei mir für das Mitnehmen, aber auch dafür, dass ich diese sehr persönliche Geschichte mit ihnen geteilt hatte. Sie wünschten mir noch viel Glück und dass ich noch vielen Menschen eine solche Unterstützung geben würde.

Schade, die Fahrt hätte noch mehrere Stunden dauern können. Wie gerne hätte ich mir auch ihre Erlebnisse schildern lassen, die ihnen auf ihrer Wanderschaft begegnet sind. Als ich wieder auf der Autobahn war und über die Begegnung mit den jungen Leuten nachsann, kam mir der Gedanke, dass ich mir eigentlich ihre Namen hätte geben lassen sollen. Denn auch ich habe einen Traum und um diesen zu erfüllen, brauche ich gute Zimmermannsleute mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

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